3. DBFL-Spieltag 2026 in Dortmund
Ein knapper und ein deutlicher Sieg in Dortmund
Der dritte Spieltag der DBFL in Dortmund ausgerichtet, bescherte unserem Blindenfußball Bundesliga Team, mit 18 Personen stark besetzt, einen ersten Doppelspieltag mit Spielen gegen Schalke 04 am Samstagabend und gegen Fortuna Düsseldorf am Sonntagmorgen. Die Zielrichtung unseres Teams war eindeutig, denn beide Spiele mussten gewonnen werden, um noch Chancen auf den Deutschen-Meistertitel zu bewahren. Das gelang.
FC Schalke 04 - FC Sankt Pauli
Die Besinnung auf die Blockverteidigung war das Thema in den vergangenen Wochen der Spieltags Vorbereitung und wurde Schlüssel zum Erfolg. Co Trainer Jonas Dawid: „Die Umstellung von der Raute zurück zum T, hat uns Sicherheit gegeben. Wir hatten eine klare Raumaufteilung und die Zuordnung gegen den Ball der Schalker war sehr gut.“ In Reihen des Schalker Teams spielen mit Emre Aslan #7 und dem Torwart Hüseyin Saygili zwei aktuelle Säulen der türkischen Blindenfußball Nationalmannschaft. Dazu noch der ehemalige türkische Nationalspieler Ali Cavdar. Besonders Emre Aslan mit seiner, ganz sicher selbst für viele voll sehenden Fußballer, unerreichbaren Ballbehandlung, wurde im Training immer wieder simuliert. Dieser Spieler ist so gut, dass er nicht dauerhaft und zu 100% verteidigt werden kann. Jonas Dawid: „Emre kann man nur mit drei Spielern gleichzeitig verteidigen.“ Zudem ist der Schalker Torhüter, trotz seiner Größe von 1,90m und annährend 100kg Körpergewicht, sehr reaktionsstark und schwer zu überwinden. Vor Spielbeginn war klar, es würde ein schweres Spiel werden.
Es entwickelte sich ein sehr offensives und körperbetontes Spiel. Unser Team erarbeitet sich von Anfang an ein Chancenplus. FCSP Kapitän Hippo Versen als Blockspitze hielt das Team defensiv gut zusammen.
Anders als noch im vergangenen Spiel gegen Marburg, wo unserem Team kein eigenes Tor gelingen wollte, konnte der Ball dann in Spielminute neun von Natan Werner aus 8m Torentfernung links am Schalker National Torhüter vorbei über die Torlinie gedroschen werden. Ein verdeckter Schuss. Vorher hatten sich Emre Aslan und Natan Werner immer wieder gegenseitig bekämpft und sich gegenseitig den Ball vom Fuß genommen.
Natan konnte nach solch einem Zweikampf den Ball schneller wieder finden als Emre und trotz Bedrängnis wuchtig und reaktionsschnell links ins Tor vollenden. Paul Ruge hatte in derselben Spielminute noch eine gute Chance, die er aus Kurzdistanz an den linken Pfosten setzte.
Ein Freistoß von Emre Aslan in linker Position geschossen, aus etwa 9m, im spitzen Winkel vom Tor entfernt, zischte in Minute 13 durch unsere Mauer, zum 1:1 Ausgleich ins Tor. Nach Studium der Videobilder die auf www.Sporteurope.tv bei 9:24:00 zu finden sind, ein vermeidbares Gegentor. Dem Team war das unnötige Gegentor nicht anzumerken. Drei Minuten nach dem Ausgleich konnte Paul Ruge einen Bandenrückpass von Hippo Versen auf der linken Seite mit einem wohl dosierten Slalom Dribbling bis auf 3m fast zentral vor das Tor bringen und ins lange rechte Eck zum 2:1einschieben.
Einige weitere hockkarätige Chancen für die Kiezkicker blieben unvollendet. Den Ausbau der Führung zum 3:1 markierte Natan Werner. Er konnte einen Abwurf von der Torhüterin Svena Bartels an der rechten Bande kurz vor der Rufer-Linie schnell ins Dribbling mitnehmen und aus 5m Entfernung zentral vor dem Tor flach links einschießen.
Mit 3:1 Führung ging es in die Halbzeitpause. Mit Beginn der Zweiten Halbzeit blieb der Druck durch unser Team weiterhin hoch. In Minute 25 konnte der sehr starke Natan Werner den für seinen Mitspieler Hippo abgesicherten Ball auf der rechten Außenbahn selbst übernehmen, und dribbelte sich bis spitz links nah vor das Tor, um dann mit rechts platziert in die lange Ecke die komfortable Führung zum 4:1 zu erzielen.
Die Einwechselungen sollten nun beginnen, um die Belastung auf alle Spielerinnen zu verteilen. Bereits 20 Sekunden nach dem 4:1 verkürzte allerdings Emre Aslan nach Annahme eines fein gelupften Passes an das linke Eck des Torwartraums mit rechts, an Svenja Bartels vorbei, ins lange Eck zum 4:2. Weitere 60 Sekunden später war es wieder Emre Aslan. Dieses Mal mit einem Dribbling von der linken Bande 5m vor der Grundlinie zurück über den Rückraum bis auf 4m zentral vor das Tor und verwandelte mit seinem typischen ansatzlosen Außenspannschlenzer ins lange rechte Eck zum 4:3 Anschlusstreffer. Dem Tor ging ein klarer Stellungsfehler unseres Verteidigungsblocks voraus. Fast könnte vermutet werden, dass den FC St. Pauli Spielern die deutliche drei Tore Führung zu langweilig wurde. Denn weitere 35 Sekunden später verursachte Svenja Bartes durch „Herausgreifen“ aus ihrem Torwartraum einen 6m Penalty. Innerhalb von unter drei Minuten eine drei Tore Führung zu verspielen, hätte eine außergewöhnliche Spielentwicklung bedeutet. Jeder Schalker Schuss ein Treffer? Nein! Ali Cavdar verschießt den 6m Strafstoß auf die Tormitte. Svenja Bartels kann den Ball sogar festhalten. Das 15 Minuten lange Zittern ging los, trotz optischer Feldüberlegenheit, auch deshalb, weil die Chancenverwertung, unseres Teams alles andere als effizient war. Die Verteidigungsarbeit unseres Teams wurde vom Schiedsrichtergespann häufig mit Foul bewertet. In der 34. Spielminute, sechs Minuten vor Abpfiff, dann allerdings völlig zurecht, weil Natan Werner schon abgekämpft in der Rückwärtsbewegung nicht mehr rechtzeitig den Schutzruf „Voy!“ gegen den immer noch leichtfüßigen Emre Aslan absetzen konnte. Zu spät, oder gar nicht, ausgerufenes „Voy!“ ist im Blindenfußball ein Foul. Emre Aslan musste beim FC Schalke nicht mitverteidigen. Natan Werner schon. Es gab also Foul gegen uns und weil das das insgesamt fünfte Foul in der Halbzeit war, bekam Schalke 04, so wie es im Regelwerk vorgeschrieben ist, einen 8m Penalty zugesprochen. Schalke 04 hatte also zum zweiten Mal die Chance vom Punkt auszugleichen. Emre Aslan trat an, zwei Schritte Anlauf und Svenja Bartels lenkte den links platzierten Strafstoß um den Pfosten herum am Tor vorbei.
Sechs Minuten lang kein Foul mehr zu begehen und gegen den anstürmenden Emre Aslan effektiv im Block zu verteidigen, war nun die Herausforderung für unsere Fünf. Nach dem Schlusspfiff breitete sich gefühlt unendliche Erleichterung aus, darüber ein Zitterspiel am Ende mit einem Tor mehr als der Gegner gewonnen zu haben. Es gibt solche Spiele, in denen die sportlich Verantwortlichen stärker altern als in anderen. Ein junges Team wird durch solche extremen, aber am Ende erfolgreichen, Spielverläufe hoffentlich reifer. Schön, dass dieses Nervenspiel auch von einem sehr guten Dutzend extra angereister FC St. Pauli Fans unterstütz und mit über die Ziellinie gebracht wurde. Danke für Euren Support! Schnelle Regeneration, inklusive Eisabkühlung, Team Essen und Fokus auf das nächste Spiel gegen Düsseldorf. Kräftesammeln. Punkte mitgenommen. „Uff!“
Klarer 4:0 Sieg gegen Düsseldorf
Im zweiten Spiel des Wochenendes traf der FC St. Pauli um 11:45 auf Fortuna Düsseldorf. Fortuna Düsseldorf hatte am Vortag ein beachtliches 0:0 gegen Marburg errungen. Der FC St. Pauli hatte am vorherigen Spieltag 0:1 gegen Marburg verloren.
Die defensive Stärke der Fortuna war daher bekannt. Eine entgleiste Straßenbahn verschaffte unserem Team, eine sehr entspannte Spielvorbereitungsphase. Die zusätzlich in die Anreise eingeplante Toleranzzeit, wurde nicht benötigt, weil der Schienenersatzverkehr pünktlich fuhr. Spazierengehen mit Ball auf dem Nachbarplatz, zwei Stunden vor Anpfiff, verschaffte Ruhe. Geduld würde gefragt sein, gegen das Bollwerk der Fortunen. Der entsprechend der Düsseldorfer Stärke konstruierte Matchplan wurde besprochen. Zweikampfstärke mit Durchsetzungsvermögen und Ruhe im Tor-Abschluss sind zwei Eigenschaften, die von den Spielerinnen gleichzeitig gefragt waren. Thoya Küster im Feld rechts und Pelle Gronau im Torwart Trikot seines Vaters waren neu in der Startfünf.
Paul Ruge hatte im Spiel gegen Gelsenkirchen zu viele Kopftreffer einstecken müssen, und sollte noch geschont werden. Im Tor war es ein geplanter turnusmäßiger Wechsel. Auf der Bank wechselte Victor Pfaul von der Ergänzungsspielerrolle, in die als Physiotherapeut. Jenny Dabelstein am Vortag noch nicht im Kader, wartete auf ihren Einsatz. In der 9. Spielminute ein erster freier Abschluss von Natan Werner gegen seinen Nationalteam Kollegen Niels Hemmenstedt im Düsseldorfer Tor, den dieser mit dem Knie abwehren konnte. Keine Tor-Chancen für Düsseldorf und bis Minute 15 nur knapp zwei für unser Team. Dafür allerdings schon wieder 4 Teamfouls kassiert.
Einen unfreiwillig langen Bandenrückpass von Natan Werner konnte der wieder auf der zentralen Verteidigerposition aufgestellte Rasmus Narjes im Dribbling über die linke Bandenseite 10m vor dem Tor der Fortuna, nach Foulversuch von Hasa Koparan, im Nachlaufen 3m vor dem Tor mit einem zarten Standbeinkontakt rechtzeitig wiederfinden und mit einem blitzartig nachgesetztem beherzten Abschluss mit seinem rechten Schussfuß links flach neben den Pfosten zum 1:0 ins Tor schießen.
Mit 1:0 ging es in die Halbzeitpause. Zur zweiten Halbzeit kam Paul Ruge für Thoya Küster auf den Platz und setzte Natan Werner direkt mit seiner ersten Aktion gut in Szene. Natans erster Abschluss wurde noch geblockt. Die Doublette der ersten Spielszene verwandelte Natan zwei Minuten nach Wiederanpfiff, nachdem er sein torvorbereitendes Dribbling weiter nach rechts durchgezogen hatte, mit einem strammen Flachschuss aus 8 Metern links ins Tor zum 2:0.
Schade, dass die beiden Fortuna Youngstars Karlo und Felix nicht spielen konnten. Nach dem Abstieg der Profifußballer von Fortuna Düsseldorf in die 3. Liga, ist die Zukunft des Inklusionsprojektes der Fortuna, zu dem neben den Amputierten Fußballern, auch das Blindenfußball Bundesliga Team gehört, höchst ungewiss. Geldbedarf des Berufsfußballs versus Bedarf des Inklusionsfußball nach Abstieg, bleibt ein beobachtungswürdiger Fall. Hoffentlich finden sich dort einvernehmliche Lösungen!
St. Paulis 14jähriger Youngstar Mo Safari musste in Minute 26 für den erneut am Kopf getroffenen Paul Ruge eingewechselt werden und nahm das körperliche Spiel mit Ruhe und Geduld an. In der 31. Minute scheitert Natan am Keeper und Mo mit seinem Schuss aus spitzem Winkel am rechten Außennetz. Philipp Versen kann direkt danach einen gelupften Pass von Hasa Koparan mit dem Körper abblocken und ins Tempodribbling mitnehmen. Im Strafraum links kurz abstoppen nach Innen ziehen und mit rechts flach links einschießen. 3:0 und noch acht Minuten Restspielzeit.
45 Sekunden später hat Natan Werner zwei Torschüsse auf das Tor gebracht, die Nick Hemmenstedt beide halten kann. Nach dem zweiten Versuch rollt der Ball von der Bande zur Grundlinie und bliebt dort liegen. Aus dem Liegen macht Natan Werner sich auf, den Ball schneller wieder zu finden als seine Gegenspieler, um sich mit einem Bananendribbling von seinen Widersachern zu befreien. Rechts am Strafraum angekommen schießt Natan aus 7m auf die Tormitte. Nick Hemmenstedt kann sich nicht zwischen Fuß- und Handabwehr entscheiden und muss den Ball vorbei ins Tor rollen lassen. Michael Löffler St. Paulis Urgestein kommt für Rasmus Narjes ins Spiel. Mike spielt „T-Mitte“ und Hippo defensiv zentral.
Die Ordnung blieb weiter erhalten. Düsseldorf versucht weiterhin vergeblich sich dem Tor von Pelle Gronau an zu nähren, der weiterhin erst zum Abwurf den Ball in die Hand nehmen musste. Leider waren seine Abwürfe auch für die neu eingewechselte Mitspielerin Jenny Dabelstein zu lang. Jenny fügte sich nahtlos in die körperlich konzentrierte Spielweise des FC St. Pauli ein.
O-Ton vom Co-Trainer des FC St. Pauli Jonas Dawid nach dem Spiel: „Der Sieg gegen Schalke 04 hat uns Schwung und Abschlussvertrauen gegeben. Besonders schön fand ich, dass die zweikampfstarken Spieler Tore schießen konnten, weil sie sich nicht nur durchgekämpft haben, sondern vor dem Tor im entscheidenden Moment wieder weich und geschmeidig wurden, um in den engen Räumen dann den zielgerichteten Torschuss, auch unter Gegnerdruck, erfolgreich setzen zu können.“
Kapitän Hippo Versen: „Fußball ist ein Fehlersport. Die Fehler verteidigen wir als Team gemeinsam und kompakt.“ St. Paulis Blindenfußball Team ist mit 18 Personen nach Dortmund gereist, hatte eine Altersspanne vom jüngsten Spieler Mo Safari 14 Jahre alt, bis zum Ältesten, dem Assistenten Gunter „Ghandhi“ Damm, 73 Jahre alt. Das Team kann nach vier Spielen bereits 6 verschiedenen Bundesliga Torschützen verzeichnen. Das ist ein Zeichen von Breite. Die zwei Siege unseres Teams, sind ein weiter Schritt in Richtung Spitze.
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